Geschichte

Ansprache zu Kants 287. Geburtstag am 22. April 2011 am Königsberger Dom

An dieser Stelle stand ich erstmals im Herbst 1941 und später mehrmals als Student der Albertina anlässlich von Ehrungen Kants am Tage seines Geburtstages. Der Zutritt erfolgte damals über den Hof des Kneiphöfschen Gymnasiums, und rückwendend erblickte man die Gebäude der alten Universität, an der Kant einst studierte und lehrte.

All das eingeschlossen von altehrwürdigen barocken Bauten aus der Zeit um die Wende des 18. Jahrhunderts, die besonders den Kneiphof auf dieser Dominsel geprägt haben – ein Kulturdenkmal aus der Zeit des Deutschen Ordens. Diese Gebäude wären alle – ebenso wie schon der Dom – ein Wiedererstehen wert. Als ich im Herbst 1988 auf Einladung der hiesigen Universität – also nach 44 Jahren seit meinem Abschied von Ostpreußen im Jahre 1944 – erneut diesen ehrwürdigen Platz besuchen durfte und gemeinsam mit Prof. Kalinnikov am Kenotaph einen Kranz niederlegte, fand ich auf dieser Dominsel nur noch die Domruine vor, sowie die Denkmaler des Begründers der freien evangelisch-katholischen Gemeinde, Julius Rupp und des deutschen Dichters Walther von der Vogelweide. Ich war tief betroffen und tief bewegt.

Heute bin ich wiederum tief bewegt, aber auch sehr dankbar, dass ich den Wiederaufbau des Doms erleben durfte und von der herrlichen Orgel dieses neu erstandenen Doms mit einem ,,gaudeamus igitur” begrüßt wurde. Hier kann ich feststellen, dass die Menschen dieser Stadt Kant gleichermaßen verehren wie wir Studenten und die Bevölkerung der Stadt damals.

Sie, lieber Herr Kollege Kalinnikov, haben hier und heute wiederum mit unserem gemeinsamen Auftreten an der Kant gewidmeten Gedenkstätte deutlich dokumentiert, dass der deutsche Philosoph, dessen Namen die Universität heute trägt, durch seine großartige Persönlichkeit und durch seine Lehre fortwirkt für die Erkennung und Realisierung von Gemeinsamkeiten unserer Völker.

Ich bin stolz auf Immanuel Kant – ich bin stolz auf meine Universität — ich danke Ihnen persönlich und allen, die hier versammelt sind, für ihr Verständnis und für Ihre Freundschaft. Zum Abschluss dieser denkwürdigen Veranstaltung erlauben Sie mir bitte, Kant persönlich sprechen zu lassen: „ Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß – und es könnte sein, dass die Menschheit reicher wird, indem sie ärmer wird, und gewinnt, indem sie verliert.”

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

© April 2011 Prof. Dr. Jürgen Lebuhn

Das könnte Sie auch interessieren:

Was hat Marburg mit Königsberg zu tun, der Hauptstadt Ostpreußens, einer am östlichen Rande Deutschlands gelegenen Provinz, die 1945 untergegangen […]

1. Immanuel Kant ist am 22. April 1724 in Königsberg geboren und am 12. Februar 1804 ebenda gestorben. Er ist […]

Neumann-Redlin von Meding, E.: Titel s.u. Königsberger Bürgerbrief 90 (2017) S. 72 Rezension des Buches Monika Boes (Hrsg): Ludwig Goldstein […]

Das ist mein Thema. Der Unterschied zwischen den Gelehrten und den Ungelehrten wird in einem russischen Sprichwort beschrieben, das auf […]

1. Aufklärung und Gegenwart In der Aufklärungsepoche war Königsberg die Stadt, die dank Kant sich zu einer besonderen Mission zu […]

Preussische Provinzial-BlätterHerausgegeben von dem Vereine zur Rettung verwahrloseter Kinder in Königsberg zum Besten der Anstalt.Siebenter BandKönigsberg 1832 Nekrolog. Robert Motherby Dem […]

Berlin, 15. Juni 2011 Dank dem guten Empfang von Frau Marianne Motherby kann die Gesellschaft «Freunde Kants» der kantischen Geselligkeit […]

Artikel über Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere  für den Königsberger Bürgerbrief Nr. 88 Ende 2015 erhielt ich eine Anfrage […]

Wenn schon Kant, dann die höchste Ehrlichkeit ohne intelligible Faulheit und ohne moralische Feigheit wie in Kants “Was ist Aufklaerung?” […]

Scroll to Top